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Wer
den "TransDemokraten"
bis zu seinem (unbitteren) Ende gelesen hat, erinnert sich vermutlich an die
Kolumne "Persönliche Anmerkungen". Viele haben bedauert, dass sie
nicht mehr erschienen. Ab jetzt gibt es sie wieder, ich setze die laufende
Zählung fort. |
Nr. 6 - 2005 |
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Nicht nur ein neues Jahr steht an: ein neuer Lebensabschnitt.
Italien - ein neues, noch weithin unbekanntes Land; ein neues Zuhause, neue
Nachbarn. Nicht mehr als Besucher hier, als Tourist, nicht mehr die
Unverbindlichkeit, nicht mehr das Bewusstsein, jederzeit zurückkehren zu
können in eine vertraute, bekannte Lebensform. |
Notizen
(26):
Herbst
Auch Petrus liest offenbar diese AdagioNotizen. Obwohl er gar
nicht in meinem Verteiler ist (was hat der überhaupt für eine Mail-Adresse?
Vielleicht petrus@urbi-et-orbi.com?)
Eine andere Erklärung habe ich jedenfalls nicht dafür, dass prompt nach der
letzten Ausgabe („Ein Marken-Sommer“) ein Bilderbuchwetter ausbrach,
nicht nur über die auch übers Klima zu Recht jammernden Deutschen – nein,
auch hier in Italien, wo wir nun schon seit Wochen einen wunderschönen Herbst
haben, mit allem, was für mich schon immer dazugehört hat: dieses trotz
wolkenlosem Himmel leicht milchige Licht, der Morgen noch frisch und mit
glänzenden Tautropfen auf dem Gras, der Mittag fast zu warm fürs Straßencafé,
durch das noch volle Laub der Bäume fegen erste heftige Windböen, die letzten
Sommerferiengäste sorgen bei ihrer Rückkehr aus dem Süden noch einmal für
Fünfzigkilometerstaus in der BRD. Ich mochte den Herbst schon immer, mehr als
die anderen Jahreszeiten. Weil er, so hab ich es mir zu erklären versucht, am
ehrlichsten ist, indem er die Vergänglichkeit sichtbar und fühlbar macht und
doch zugleich auch deren unglaubliche Schönheit. Übrigens auch dann, wenn die
Sonne es mal nicht schafft, den Morgennebel aufzulösen, der dann alles ins
Milde oder Mysteriöse hüllt. Oder auch dann, wenn es richtig regnet, nicht
dieser trost- und endlose Novemberregen, sondern die wilden Güsse aus
gewaltigen Gewitterwolken.
Jetzt, in diesem Herbst 2005, fallen mir ganz viele Situationen
ein aus den verschiedensten Abschnitten meines Lebens, in denen ich den Herbst
so sehr genossen habe. Vor 25 Jahren in einem Straßencafé in Nürtingen, m Fuß
der Schwäbischen Alb, habe ich das Lied über den „Septembermorgen“
geschrieben. Vor vier Jahren erlebte ich in Minnesota den Indian Summer, und
dessen Farben waren noch kräftiger, noch wilder, noch schöner als am Gardasee,
wo ich in den neunziger Jahren so oft war, im September, Oktober. „Bald
rasen die herbstlichen Stürme“ habe ich gesungen, 1954, 1955, wenn ich
mit der Jugendgruppe von großer Sommerfahrt zurück nach Heidelberg gekommen
war, diese meine Geburtsstadt, die selbst sozusagen eine Herbststadt ist, mit
ihrem dezent modrigen Charme aus einer größeren Vergangenheit; und auch hier Erinnerungen
an Herbsttage noch vor wenigen Jahren, erlebt in einer Mischung aus trotzigem
Aufbäumen und depressionsgeladener Resignation.
Schließlich bin ich ja auch im Herbst meines Lebens angelangt.
Nach einem eher kalten Frühling, mit viel Nebel, Nachtfrösten und Schneefällen
auf zaghaft sich öffnende Erwartungsblüten, nach einem unerwartet langen und
weithin heißen Sommer, mit ein paar ziemlich verheerenden Gewittern, mit in
Verkehrsstaus oder auf Sonnenliegen dösend vergeudeten Stunden, jetzt also
eingetaucht in eine farbige, von einer immer tiefer stehenden Sonne mild und
zum Heulen schön beleuchteten Lebenslandschaft mit neuen, mir noch nicht
bekannten Elementen, die Erinnerungen wecken an Erlebtes wie Erlittenes –
Ich weiß natürlich, dass der Winter kommen wird, schneller als
ich das möchte. Und deshalb will ich auch diesen Herbst genießen, jede einzelne
Stunde.
16.09.05
Und, wie immer, der
Tipp: mal wieder reinschauen bei Adagio